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Erik Mozanowski: Denkmalschutz in Deutschland, Arbeitsmodule

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Erik Mozanowski, ehemaliger Vorstand der ESTAVIS AG, führte in Berlin / Leipzig sowie Stuttgart im Rahmen von Seminarveranstaltungen in das Themengebiet Denkmalschutz in Deutschland ein.

Aus den Kreisen der Teilnehmer kam der Wunsch, wichtige Wissensmodule auch im Internet zu veröffentlichen. Dies soll in einer kleinen Serie geschehen. Dieser Vortrag von Herrn Erik Mozanowski soll dabei Gegenstand von einer regen Diskussion sein, sowohl in Stuttgart als auch anderswo.

Einführung: Denkmalschutz - Geschichte und gesellschaftliche Relevanz

Stellenwert und Ziele des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege haben sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. Einzelne Bauwerke wie die Hagia Sophia in Istanbul (Konstantinopel) oder der Felsendom in Jerusalem wurden wegen ihres ästhetischen Reizes oder ihrer imposanten Dimensionen auch schon vor mehreren Jahrhunderten erhalten – obgleich sie nicht mehr als Kirche oder Schrein genutzt werden sollten. Beide Bauwerke sind noch heute Moscheen und gute Beispiele dafür, dass Erhalt und Umnutzung von historischen Gebäuden keine Erfindung der Neuzeit sind. Vergleichsweise neu ist allerdings der Aspekt des nationalen Erbes, der als Argument für den Erhalt von Bauwerken erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts eine Rolle spielt.

So schrieb Goethe, nachdem er 1771 den Turm des Straßburger Münsters bestiegen hatte: “Wie froh konnt” ich ihm meine Arme entgegenstrecken, schauen die großen harmonischen Massen, zu unzählig kleinen Teilen belebt, wie in Werken der ewigen Natur, bis aufs geringste Zäserchen, alles Gestalt, und alles zweckend zum Ganzen, wie das festgegründete, ungeheure Gebäude sich leicht in die Luft hebt, wie durchbrochen alles und doch für die Ewigkeit. [...] Das ist Baukunst deutsche Baukunst, unsere Baukunst.” Es mag umstritten sein, ob Goethes Text den Beginn der deutschen Denkmalpflege markiert. Auffallend ist jedoch, dass der junge Schriftsteller in seinem Hymnus auf die Gotik gleich zu Beginn dem Wort “Denkmal” eine ganz eigene Bedeutung gab. Es meint bei Goethe nicht den zunächst von ihm gesuchten Stein am Grabe des Baumeisters Erwin von Steinbach, sondern das ganze Gebäude, das erst nachträglich und ohne das Wissen des Künstlers zum Denkmal geworden sei. Betrug die Summe aller Bausteine doch nicht mehr als das Gesamtergebnis.

Daneben zeigen auch deutsche Landesherren erstmals Interesse am Erhalt repräsentativer Gebäude aus früheren Epochen. Die Fürsten sahen sich als Garanten politischer Stabilität. Alte Burgen, Schlösser, Amtsgebäude und Kirchen schienen ihnen ein Zeichen historischer Kontinuität, wie sie durch ihre Dynastie womöglich schon seit Jahrhunderten gewährleistet wurde. Daher legten sie größten Wert auf den Erhalt von Wappen und Inschriften. Der Wert dieses Willens betrug hier eine enorme Steigerung des Ansehens in der damaligen Gesellschaft. Auch in Stuttgart und Umgebung geschah dies stetig. In der “Verordnung, die im Lande befindlichen Monumente und Altertümer betreffend” (1779) des Landgrafen zu Hessen (Friedrich II.) heißt es beispielsweise: “Wann an Kirchen, Kapellen, Schul- und anderen geistlichen Gebäuden, desgleichen an Amts-Ratshäusern, Schlössern und sonstigen öffentlichen Gebäuden eine Reparation nötig ist, so soll hierbei sorgfältigst darauf gesehen werden, daß kein Monument [...], worauf Wappen oder Inschriften gegraben, gehauen oder gemalt sind, durch Zerschlagung, Abhauung, Durchlöcherung, Übertünchung oder sonst irgendeine Art Schaden leide.”

1792-1815 Säkularisierung, Zerstörung, Überformung

Betrug der Verlauf der Entwicklung hier mehr als ein kurzer Zeitraum? Zwischen diesen beiden unterschiedlichen Quellen des Interesses an historischen Gebäuden und dem Beginn der systematischen Denkmalpflege in Deutschland liegt die Epoche der Napoleonischen Kriege. Von 1792 bis 1815 führten die militärischen Auseinandersetzungen mit dem revolutionären Frankreich zur Zerstörung zahlreicher Bauwerke. Allein in Köln haben die Revolutionsheere 47 Kirchen zerstört. Der Schaden betrug hier unermessliche Summen. Besonders verheerend wirkten sich die Säkularisierung der geistlichen Fürstentümer sowie die Auflösung der Klöster und der geistlichen Ritterorden nach dem Reichsdeputationshauptschluss (1803) auf die vorhandene Bausubstanz aus. Mit diesem letzten Gesetz des alten deutschen Kaiserreiches wurden Preußen, Österreich, Bayern und Württemberg oder Stuttgart für territoriale Verluste im linksrheinischen Gebiet – das an Frankreich abgetreten wurde – entschädigt. Die enteigneten Gebäude mussten meist sofort verlassen werden und standen oft von einem Tag auf den anderen leer. Die Anlagen wurden teilweise abgebrochen oder an Privatleute verkauft.

Außerdem sorgte die Bautätigkeit des aufkommenden Bürgertums für den Untergang zahlreicher Baudenkmale oder für deren vollständige, meist klassizistische Überformung: Stadtmauern wurden geschleift, zahlreiche Häuser abgerissen oder komplett in ihrem Erscheinungsbild geändert. Beispielhaft ist der Umbau des Alten Rathauses in Hattingen (Nordrhein-Westfalen). Im 16. Jahrhundert wurden hier über einer Markthalle aus Sandstein zwei Fachwerketagen mit Spitzgiebeln für die Stadtverwaltung errichtet. Etwa zwei Jahrhunderte lang wurde das Gebäude gleichzeitig als Markthalle, Versammlungsstätte und Stadtverwaltung genutzt. Zum Ende des 18. Jahrhunderts stellte die Markthalle ihren Betrieb ein; im Erdgeschoss wurde ein Gefängnis eingerichtet und das Verwaltungsgebäude im Stile des Klassizismus umgebaut. Das Gebäude erhielt große Fenster, Walmdächer anstelle der Spitzgiebel und das gesamte Fachwerk wurde verputzt. Zwischenzeitlich galt das Gebäude als weitgehend originales Zeugnis klassizistischer Baukunst, betrug der verbliebene Rest hier nicht mehr messbare Anteile. Erst in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde das Alte Rathaus in seinem ursprünglichen Erscheinungsbild wiederhergestellt.

Die in der Napoleonischen Ära zu beklagenden Verluste schärften allerdings auch das Bewusstsein für die Schutzbedürftigkeit historischer Bauwerke, nicht nur in Stuttgart: Große Beachtung fanden Friedrich Gillys Zeichnungen der Marienburg (Westpreußen) aus dem Jahre 1794. Der junge Architekt hatte seinen Vater, den Oberbaurat David Gilly, auf eine Reise zur Marienburg und nach Königsberg begleitet. Die auf dieser Reise entstandenen Zeichnungen stellte Gilly kurz darauf in Berlin aus. Einige der später auch als Kupferstiche kursierenden Blätter zeigen sorgfältig aufgenommene Details, andere beschwören mehr die Stimmung um die Ruine, und wieder andere nehmen die Wiederherstellung veränderter oder völlig verbauter Bereiche des Großen Remters vorweg. 1803 rief dann der Dichter Max von Schenkendorf zur Rettung der Marienburg auf. Das Echo auf diese Bemühungen war so stark, dass der geplante Abriss 1804 eingestellt wurde, obwohl die preußische Bauverwaltung erklärte, man habe für die Marienburg keine Verwendung mehr. Ab 1817 begannen Restaurierungsmaßnahmen an der Marienburg. Friedrich Gilly hat das nicht mehr erlebt. Der Lehrer Karl Friedrich Schinkels war bereits 1800 im Alter von nur 28 Jahren an Tuberkulose verstorben.

“Viele der rund 1,2 Millionen Baudenkmale in Deutschland könnten ohne das Engagement privater Investoren nicht erhalten werden. Wertvolle Gebäude gingen ohne wirtschaftlich tragfähige Sanierungen und eine anschließende ökonomische Nutzung unwiederbringlich verloren und könnten nicht an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden. Unser kulturelles Erbe verlöre an Wert und die Bevölkerung der Städte und Dörfer einen Teil ihrer Identität”, erläutert Herr Mozanowski die Wichtigkeit und das Verständnis für den Denkmalschutz in Deutschland.

V.i.S.d.P.:

Erik Mozanowski
Der Verfasser ist für den Inhalt verantwortlich.


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Mozanowski
Erik Mozanowski
Theodor-Heuss-Strasse 32
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