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Denkmalschutz: Das Alte in die neue Zeit transportieren?

April 30
17:05 2013

Wo liegen die Grenzen, welche Baudenkmalerfahrungen sprechen für sich und zeigen den Spagat zwischen den Epochen

Eric Mozanowski führt in Berlin / Leipzig und Stuttgart im Rahmen von Seminarveranstaltungen die Vortragsreihe zum Thema Denkmalschutz in Deutschland fort. Aus dem Kreis der Teilnehmer kam der Wunsch wichtige Wissensmodule auch im Internet zu veröffentlichen. Dies ist Teil 35, welcher sich Immobilien im Wandel der Zeit oder willkommen in der Moderne betrug.

Alte Gebäude in der neuen Zeit – Ist ein Bad von Nöten?

Allerdings stößt selbst der verständnisvollste Bauherr beim Erhalt der Originalsubstanz schnell an Grenzen. Schon die Erneuerung des Putzes, des Anstrichs, der Dachhaut, der Fußbodenbeläge oder der Fenster bedeutet den Verlust von Originalsubstanz, deren Quellenwert für die Denkmalpflege dann für immer verloren ist. Das Alter der jeweiligen Gebäude betrug oft hundert Jahre und mehr, nun müssen sie für eine sinnvolle Nutzung in der Regel auch an heutige Bedürfnisse angepasst werden, so dass bauliche Veränderungen meist unumgänglich sind. So war beispielsweise in vielen Wohnungen ursprünglich weder ein innen liegendes WC noch ein separates Badezimmer vorhanden. Soll eine Wohnung heute vermietet werden, kann auf den Einbau eines Bades aber nicht verzichtet werden, obwohl dadurch der originale Grundriss zwangsläufig verloren geht.

Alte Gebäude reagieren empfindlich

Baden, Duschen und Wäschewaschen bringen jedoch eine verstärkte Feuchtigkeitsproduktion und dadurch eine weitere Gefährdung der Originalsubstanz mit sich. Betrug die Feuchtigkeitsproduktion sicher beim Kochen früher mehr Wasserdampf als heute, kann aber auch davon ausgegangen werden, dass durch den Kochherd gleichzeitig viel Wärme produziert wurde und dass durch den Kaminzug und durch undichte Fenster und Türen eine ständige Durchlüftung des Hauses erfolgte. Somit ist zu vermuten, dass sich das Problem Feuchtigkeit wohl in Grenzen gehalten haben mag. Vielleicht war man auch weniger empfindlich gegenüber den dadurch verursachten Schäden. Heute wird das Problem Feuchtigkeit hingegen durch den verringerten Luftaustausch in der Regel noch verstärkt. Denn parallel zur gestiegenen Feuchtigkeit haben auch die Energieeffizienz und damit die Dämmung der Wohnräume an Bedeutung gewonnen – nicht zuletzt auch, weil sich die Heizungstechnik grundlegend verändert hat.

Feuchtigkeit und Heiztechnik

Aufgrund der Ofenheizung mit ihrem hohen Strahlungsanteil wurde der Dämmung der Außenwände, des Daches und der Fenster in der Vergangenheit wenig Aufmerksamkeit geschenkt: Die Strahlungswärme des Ofens lieferte die gewünschte Behaglichkeit. Bei größeren Ansprüchen wurde ein Raum in der Wohnung als „Bohlenstube“ errichtet, mit wärmegedämmten Wänden wie bei einem Blockhaus. Außer der Wohnstube und der Küche wurden die übrigen Räume einer Wohnung in der Regel nicht beheizt. Dass es dabei nicht immer ohne Feuchtigkeitsschäden abging, geht aus der Schilderung eines um 1900 in einem alten Fachwerkhaus aufgewachsenen Mannes hervor: „Im Herbst, da fing es an mit der Feuchtigkeit, solche Landkarten an den Wänden! Da frisst sich die Feuchtigkeit durch den Putz und macht so komische Muster. Als Kind, wenn ich krank war, im Bett, hab ich die immer studiert.“ Die Landkarten an den Wänden sind auf Wärmebrücken in den Wänden zurückzuführen. An den Stellen, wo die Wand kälter war, schlug sich die Feuchtigkeit eher nieder. Das ist aus heutiger Sicht leicht zu erklären.

Schimmelbildung und Energieeffizienz

Verstärkte Feuchtigkeitsproduktion und bessere Dämmung führen jedoch häufig zu Schimmelbildung und unter Umständen zu weitreichenden Folgeschäden. Wohnungen in Denkmalen müssen daher nach der Sanierung hinreichend durchlüftet werden. Kann oder soll beispielsweise aus Gründen der Energieeffizienz ein besserer Luftaustausch nicht durch bauliche Maßnahmen hergestellt werden, müssen die Mieter dafür sensibilisiert werden. Denn wie im Neubau kann Stoßlüften die Schimmelbildung verhindern, ohne zu großen Wärmeverlusten zu führen.

Wünsche in der heutigen Zeit

Der Wunsch nach baulichen Veränderungen beschränkt sich jedoch oftmals nicht allein auf die technische Ausstattung, sondern betrifft manchmal auch das Gebäude selbst, beispielsweise wenn Wohnungsgrundrisse verändert werden sollen. In einigen Städten Ostdeutschlands sind viele Gründerzeitwohnungen zu groß, um als Ganzes vermietet werden zu können. Aus Sicht der Denkmalbehörden sind die zur sinnvollen Nutzung erforderlichen Trennwände unkritisch, solange sie sich ohne Zerstörung der Originalsubstanz wieder entfernen lassen und notwendige Türdurchbrüche den Charakter des Gebäudes nicht wesentlich verändern.

Eric Mozanowski hierzu: „Bei Wohnungen aus anderen Bauepochen werden hingegen mehrere Zimmer oder Wohnungen zusammengelegt. Das bedeutet immer einen mehr oder minder schwerwiegenden Substanzverlust, der in den meisten Fällen jedoch von den Denkmalpflegern akzeptiert wird. Hinzu kommen jedoch oftmals statische Probleme. Werden tragende Wände entfernt, müssen Träger eingezogen oder sogar Decken erneuert werden. Das wiederum treibt die Kosten der Sanierung in die Höhe, so dass der für heutige Wohnbedürfnisse ideale Umbau häufig aus wirtschaftlichen Gründen scheitert.“

Diskussionsbedarf und Erfahrungsaustausch schloss sich unter den Teilnehmern an und Eric Mozanowski referierte in Stuttgart weiterhin über die Zusammenhänge von Früher und Heute und den Möglichkeiten einer sinnvollen Nutzung und die Wichtigkeit der Denkmalerhaltung.

V.i.S.d.P.:

Eric Mozanowski
Der Verfasser ist für den Inhalt verantwortlichThis is an Example


Eric Mozanowski, ehemaliger Vorstand der ESTAVIS AG, führte in Berlin / Leipzig sowie Stuttgart im Rahmen von Seminarveranstaltungen die Vortragsreihe zum Themengebiet Denkmalschutz in Deutschland fort. Aus den Kreisen der Teilnehmer kam der Wunsch, wichtige Wissensmodule auch im Internet zu veröffentlichen. Weitere Informationen unter: www.estavis.de

Mozanowski
Eric Mozanowski
Theodor-Heuss-Strasse 32
70174 Stuttgart
e.mozanowski@estavis.de
+49 (0)711 220 631 73
http://www.estavis.de

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