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Unternehmerische Beteiligungen von Family Offices: Motivation – Trends – Herausforderungen
Family Offices verwalten sehr große Vermögenswerte einiger weniger Reicher. Sie agieren diskret, höchst professionell und nachhaltig. Viele dieser Institutionen sind für ihre

Unternehmerische Beteiligungen von Family Offices: Motivation – Trends – Herausforderungen

Mai 12
22:18 2018

Family Offices verwalten sehr große Vermögenswerte einiger weniger Reicher. Sie agieren diskret, höchst professionell und nachhaltig. Viele dieser Institutionen sind für ihre Mandanten seit mehreren Generationen tätig. Eine kurze Geschichte der Family Offices befindet sich in der Info-Box 1.

Den auf Langfristigkeit und Tradition ausgerichteten Family Offices steht einer der größten Wandel in unserer Wirtschaft gegenüber: der Shift von der traditioneller ‚Old-Economy‘ hin zu innovativen Geschäftsmodellen mit agiler Kundenzentrierung, dem selbstverständlichen Einsatz von neuen Technologien (Digitalisierung, Industrie 4.0, künstlicher Intelligenz, usw.) und modernen Methoden des digitalen Marketings. Haben Family Offices diese Trends aufgegriffen? Oder sind es die Klienten / HNIs (High Networth Individuals) die diese Trends von ihren Vermögensverwaltern ‚einfordern‘? Welche Bedeutung spielen die unternehmerischen Beteiligungen als Assetklasse im Vergleich zu den typischen liquiden (z.B. Aktien, Anleihen, Edelmetalle) oder illiquiden Anlageformen (z.B. Immobilien, Forst und Landwirtschaft)?

Ist das Interesse von HNIs an unternehmerischen Beteiligungen gestiegen?

Ja, so zeigt eine repräsentative Umfrage der Online-Zeitung unter führenden deutschen Family Offices. Es ist gerade ‚On Vogue‘ sich an Unternehmen zu beteiligen. Viele HNIs suchen ‚Investments zum Anfassen‘, wo sie sich als Mitunternehmer entfalten können. Zum Teil spielen auch objektive Gründe eine Rolle: das Niedrig-Zins-Niveau und der leergefegte Immobilien-Markt. Von Seiten der Family Offices wird geraten, nicht mehr als 10-20% des Vermögens unmittelbar in direkte Unternehmens-Beteiligungen zu investiert (wenn man Aktien und Fonds-Anteile dazurechnet werden typische Weise bis zu 50% des Vermögens in Unternehmen investiert). In Anbetracht der Tatsache, dass man sein Investment diversifizieren sollte, muss der Investor entweder über Vermögen im höheren dreistelligen Millionenbereich verfügen, oder sich mit gleichgesinnten zu einem Club-Deal zusammen schließen.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen bei diesem Trend: entweder hat man sich schon immer unternehmerisch betätigt – ohne auf Trends zu warten. Dies konnten wir insbesondere bei einigen SFOs (Single Family Offices) beobachten. Oder: viele HNIs beteiligen sich an Unternehmen ausschließlich über Aktien oder Fonds und bei dieser Strategie auch bleiben.

Info-Box 1: Kurze Historie der Family Offices

Das Konzept der Family Offices scheint auf den ersten Blick aus den USA zu kommen. Man schrieb das Jahr 1838 als die amerikanische Unternehmer-Familie Morgan das ‚House of Morgan‘ gründete – das erste ‚moderne‘ Family Office der Welt. Andere namhaften Familien folgten diesem Beispiel: 1882 das Family Office der Familie Rockefeller, 1886 das Family Office der Familie Guiness, usw.

Doch es gibt auch andere, viel ältere Beispiele für Vorläufer der modernen Family Offices: im merowingischen Frankenreich zum Beispiel entwickelte sich in den drei Teilreichen der Major Domus vom einfachen ‚Hausmeister‘ des 6. Jahrhunderts zum Verwalter des königlichen Vermögens im 7.Jahundert. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Amt von Adeligen begleitet und war mit einer hohen Macht und Verantwortung für das verwaltete Vermögen verbunden.

Auch das Wirken der Kaufmannsdynastie Fugger hatte klare Züge eines Single Family Offices: aus der einfachen Weberei von Hans Fugger entstand ein Firmengeflecht, das für ca. 300 Jahre halb Europa umspannente, Könige und Päpste finanzierte, Kupfer, Silber und weitere Metalle förderte und zeitweilig sogar das römische Münzrecht besaß.

Derzeit gibt es schätzungsweise 3.000 bis 5.000 Family Offices in den USA und etwa 2.000 Family Offices in Europa. Davon entfallen etwa 500 auf Deutschland. Diese Zahlen sind sehr ungenau, da private Vermögensverwaltung meist im Verborgenen geschieht und der Begriff Family Office mittlerweile von diversen Dienstleistern verwendet wird.

Das Family-Office-‚Konzept‘, sprich eine unabhängigen und professionelle Vermögensverwaltung hat nach wie vor ein großes Wachstumspotenzial. Die Anzahl der HNIs steigt stetig, laut dem World Wealth Report 2017 von Capgemini lebten 2016 in Europa ca. 4,5 Millionen HNIs (+7,7% gegenüber 2015) mit einem Gesamtvermögen von 14,7 Trillionen USD (+8,2% gegenüber 2015). Tendenz steigend.

In welche Unternehmen investieren Family Offices oder deren Mandanten? Welche Rolle spielen dabei die Family Offices? Welche Geschäftsmodelle werden bevorzugt?

Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

Bei SFOs, bzw. traditionellen, MFO mit unternehmerischem Background (Multi Family Offices, siehe auch Info-Box 2) stammt das Vermögen meist aus unternehmerischen Aktivitäten der Gründerfamilie. Diese Family Offices bleiben oft ihrer Tradition treu und engagieren sich unternehmerisch in ihrer Branchen weiter. Durch das typischerweise hohe verfügbare Vermögen bei den SFOs, kann die Beteiligungs-Höhe zwischen 100 Mio. € und einer Milliarde € betrag. Die Anlagestrategie in Unternehmensbeteiligungen wird stark durch das FO (Family Office) selbst geprägt. Es existieren klare Investment-Kriterien analog zu einem Privat Equity Fonds. Diese Family Offices sind neuen Geschäftsmodelle offen, engagieren sich aber erst ab einem entsprechend höheren Umsatz in jungen Unternehmen.

Der zweite MFO-Typus (siehe Info-Box 2) mit einem Dienstleistungs-Background, vertritt Mandanten mit mannigfaltigem Background. Dieser wiederum bestimmen, ob und welche Beteiligungen eingegangen werden. Diese Mandanten investieren gerne in Branchen aus ihrem eigenen Background. Wer sein Geld im Anlagen- und Maschinen-Bau gemacht hat, wird diesem Segment meist auch treu bleiben. Analog macht es der Mittzwanziger, der sein Vermögen beim Exit seines Internet-Startups gemacht hat: er investiert in junge, stark-wachsende Internet-Unternehmen.

Dieser  MFO-Typus agieren also meist auf Mandantenwunsch. Das MFO kann Beteiligungen vermitteln, nimmt diese in die Vermögensübersicht auf. Für das Beteiligungs-Management greift das auf Controlling spezialisierte MFO auf externe Beteiligungs-Manager zurück. Alternativ kümmert sich der HNI selbst um seine Direkt-Beteiligungen.

Der Investitions-Anlass ist bei beiden Family Office Gruppen ähnlich: Wachstumskapital, Unternehmensnachfolge oder die Finanzierung von Buy-Outs. Meist wird in reifere Unternehmen investiert, die bereits eine gewisse Umsatzgröße erreicht haben. Das Startup-Engagement wird in der frühen Phase über Beteiligungen an Venture Capital Fonds abgedeckt oder als Wachstumskapital über eine Direkt-Beteiligung im Bereich 10-20 Millionen €.

Info-Box 2: Was ist eigentlich ein Family Office?

Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff Family Office eine Organisation, deren Zweck die Verwaltung des großen Privatvermögens einer Eigentümerfamilie ist.

Die ursprüngliche Form sind Single Family Offices (SFO), bei denen es um das Management des Familien-Vermögens geht, meist über viele Generationen. Neben der Vermögensplanung besteht die Hauptaufgabe in der Vermögens-Steuerung und der Verwaltung von Stiftungen und Beteiligungen. Darüber hinaus kümmert sich das Family Office auch um steuerliche und rechtliche Aspekte der Gründer-Familien. Als One-Stop-Shop ist das Family Office auch der zentrale Ansprechpartner für die Family Governance (z.B. Durchführung von Familien-Versammlungen, Nachfolgeregelungen, etc.) und für die wohltätigen und philanthropischen Aktivitäten. Die Vermögenshöhe in dieser Family Office Form liegt bei weit über 100 Mio. €, meist im Bereich von mehreren Milliarden.

Bereits bald öffneten sich die SFOs gegenüber anderen vermögenden Familien, somit entstanden die sogenannte Multi Family Offices (MFO). In dieser Form des Family Offices fungiert die Gründer-Familie meist als Lead-Investor. Damit können andere wohlhabende Familien von den Anlage-Kompetenzen der Gründer-Familie profitieren. In einigen Fällen gibt es auch MFO ohne Lead-Investor, die sich unternehmerisch stark betätigen. Diese Kategorie bezeichnen wir im Rahmen unsrer Untersuchung als Multi Family Office mit unternehmerischem Background.

Das Multi-Family Office-Konzept entwickelte sich mit der Zeit am Markt weiter. Der zweite MFO-Typus agiert als unabhängiger Dienstleister für mehrere High-Networth Individuals (HNI). Hierbei liegt der Fokus auf der Vermögens-Strukturierung, -Organisation und der Vermögens-Überwachung. Auch diese Form der Family Offices gilt als unabhängig, da sie keine eigennen Anlage-Produkte verkauft. Somit hat sie keinerlei Interessenskonflikte und ist nur im Interesse des Vermögensinhabers tätig. Diese MFO-Form positioniert sich als zentraler Ansprechpartner für alle Vermögensbelange der Mandanten. Um seine Unabhängigkeit zu wahren, bedient sich dieser MFO-Typus als oberster Controller eines exklusiven Partner-Netzwerks von Verwaltern (z.B. Portfoliomanager für Wertpapiere oder Immobilienverwalter für Immobilienmanagement) und Beratern (Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, usw.). Diese Kategorie bezeichnen wir im Rahmen unsrer Untersuchung als Multi Family Office mit Dienstleistungs-Background.

Der Begriff Family Office entsprich weder einer Rechtsform, noch ist sie in irgendeiner Art und Weise geschützt. Am Markt existieren auch weitere Family Office-Formen: z.B. Banken, Emissionshäuser oder Finanzdienstleister positionieren sich auf dem Markt mit ihren Family Offices-Abteilungen. Diese FAmily Office-Formen sind in Bezug auf ihre Unabhängigkeit nicht so klar definiert wie die traditionellen FOs. So können sie selbst gemanagte Produkte bei der Asset-Allokation einsetzten. Diese hauseigenen Produkte können mit Vermittlungs- und Verwaltungs-Provisionen verbunden sein, daher gestaltet sich das unabhängige Performance-Controlling z.T. schwierig.

Als Reaktion auf diese Entwicklung wurde 2013 der Verband unabhängiger Family Offices [e.V.] mit Sitz in Bonn gegründet, der sich dem Leitgedanken der Ursprungsidee eines Family Office verschrieben hat: Interessenkonfliktfreiheit, Unabhängigkeit, Honorarfinanzierung und Gesamtvermögenskompetenz.

Was sind die Herausforderungen bei Direktbeteiligungen? Welche Rolle spielen dabei die FOs und die HNIs?

Auch hier kann zwischen unternehmerisch geprägten SFO / MFO und MFOs mit Dienstleistungs-Background differenzieren werden.
Ähnlich wie Private Equity Fonds, sehen die auf unternehmerische Beteiligungen spezialisierten SFO und MFOs das Deal Sourcing – Suche und Auswahl einer geeigneten Beteiligung – als die größte Herausforderung an. Diese kann bis zu 50% der Kapazitäten des Equity-Teams binden. Die (meist enge) operative Begleitung der Beteiligung – oft über Beiratsfunktionen und entsprechende Kontroll-Klauseln im Beteiligungsvertrag, läuft recht routiniert ab. Hier agieren große SFO /MFOs ähnlich wie Private Equity Fonds. Anders verhält es sich beim Exit: SFO/MFO haben im Gegensatz zu Private Equity Fonds keine der Fonds-Laufzeit angepasste Halte-Dauer der Beteiligung. Sie können somit frei entscheiden, wann der beste Zeitpunkt für einen Exit gekommen ist.

Bei MFOs mit Dienstleistungs-Background bzw. deren Mandanten sieht die Situation oft anders aus. Das Deal Sourcing geschieht meist auf einer ‚adhoc‘ Basis, basierend auf den verfügbaren Netzwerken. Es scheint, dass dieser Investment-Aspekt von vielen HNIs unterschätzt wird: die Zahlungsbereitschaft der HNIs für ein systematisches Deal Sourcing ist begrenzt, was wiederum die MFOs davon abhält entsprechende professionelle Leistungen anzubieten zu können.

Des Weiteren unterschätzen in dieser Konstellation viele HNIs den Betreuungs-Aufwand, der mit einer Direkt-Beteiligung verbunden ist. Somit kann sich bei einem Investment recht schnell eine gewisse Ernüchterung einstellen. MFOs können auch hier unterstützend wirken, in dem sie auf spezialisierte Beteiligungs-Management-Unternehmen verweisen.

Die dritte Herausforderung der HNIs im Umfeld der ‚Dienstleistungs-MFOs‘ ist der Exit. Meist ist der Investmenthorizont aus Sicht der Investoren nicht klar definiert: z.B. baut man jetzt eine Holding für Generationen auf, oder fokussiert sich auf einen baldigen ertragreichen Exit? Dies kann zu strategisch ungünstigen Unternehmens-Veräußerungen führen.

Weitere Entwicklungs-Möglichkeiten

Wir erwarten, dass die ‚Lust‘ an Direktbeteiligungen im Family Office-Umfeld weiter steigen wird. Jene Player – ob MFO oder deren Mandanten – die dieses Thema unsystematisch, auf eine Adhhock-Basis angehen, werden die Systematik in ihrem Vorgehen sicher stark erhöhen (müssen).

Auf der Geschäftsmodell-Ebene entscheiden sich die Investoren aus dem Family Office-Umfeld nach wie vor eher aus ihrem bisherigen geschäftlichen Background heraus, weniger auf Basis von Business Modell-Trends. Somit spielen Innovationen im Geschäftsmodell bzw. die zugrunde liegenden Technogien wie Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz, Möglichkeiten der Sozialen Medien, usw. noch keine tragende Rolle bei den Investitions-Auswahl. Wir erwarten, dass diese neuen Trends auch im Family Office-Umfeld zunehmend eine Rolle spielen werden und auch konservative Investoren die Chancen der aktuellen Entwicklung für sich entdecken. Auch bei diesem Thema wird das systematische Vorgehen beim Deal-Sourcing, Beteiligungs-Management und bei den Exit-Strategien, gekoppelt mit der permanenten Geschäftsmodell-Innovation, eine große Rolle spielen.

Fazit:

  • Unternehmerische Beteiligungen spielen bei HNIs eine immer größere Rolle und werden bei Family Offices als zentralen Ansprechpartner für Vermögensfragen stärker thematisiert.
  • SFO und MFO mit unternehmerischem Background vereinigen in sich das professionelle Vorgehen eines PE-Fonds (Private Equity Fond) mit der Weitsicht eines Unternehmers. Sie sind nicht exit-getrieben, sondern auf ein langfristiges Engagement ausgerichtet. Diese Investorengruppe scheint der ‚unterschätzte Investor‘ in Deutschland zu sein und sollte von kapitalsuchenden Unternehmen als Alternative zu Fonds-Investoren oder Banken angesehen werden. Eine wichtige Rolle könnte dieser Investor auch für junge Unternehmen spielen: die Bereitschaft zu Wachstums-Finanzierung in zweistelliger Millionen-Höhe könnte helfen, die viel zitierte ‚Finanzierungslücke‘ bei Startups zu schließen.
  • HNIs, die ihre Vermögensverwaltung über MFO mit Dienstleistungs-Background abwickeln, sehen zwar die großen Rendite-Chancen wie auch die emotionale Attraktivität einer unternehmerischen Beteiligung. Sie unterschätzen aber das systematische Deal-Sourcing und den zeitlichen wie auch fachlichen Aufwand, der mit dem Beteiligungs-Management verbunden ist. Der Investitions-Horizont, und infolge dessen der Exit, scheinen nicht immer strategisch ausgerichtet zu sein.
  • Die Bedeutung von innovativen Geschäftsmodellen, deren Ertrags-Potenzial und Dynamik werden von Investoren im Family Offices Bereich noch nicht als eigenständiges Zukunfts-Thema erkannt.

 

Autor: Karl Ghega – Online-Zeitung

Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit und mit Unterstützung der Liamont GmbH – Ventures & Strategy recherchiert und erstellt. Weitere Fragestellungen zu Unternehmens-Beteiligungen für Family-Offices und HNIs finden Sie hier.

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